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Rissbehandlung Mit Gerüst

Ein Riss ist kein Schönheitsfehler

Die Fassade ist der Wetterschutz des Gebäudes. Wo sie Wasser durchlässt, durchfeuchtet das Mauerwerk, sinkt die Dämmwirkung und beginnt im Winter der Frostschaden. Wer eine Fassade zehn Jahre zu lange stehen lässt, saniert anschließend nicht die Oberfläche, sondern die Substanz.

Eingerüstetes Mehrfamilienhaus während der Fassadensanierung

Risse lesen, bevor man sie schließt

Nicht jeder Riss bedeutet dasselbe, und die Unterscheidung entscheidet über die Maßnahme. Wer einen arbeitenden Riss starr verschließt, hat ihn nach dem ersten Winter wieder – nur diesmal mit abgeplatztem Putz daneben.

  • Netz- und Schwindrisse. Feine, verzweigte Risse in der Putzoberfläche, meist harmlos für die Statik. Sie lassen aber Wasser eindringen und werden mit einem armierten Überzug oder einer rissüberbrückenden Beschichtung geschlossen.
  • Putzablösungen. Wenn eine Fläche beim Abklopfen hohl klingt, hat der Putz den Verbund zum Untergrund verloren. Überstreichen hilft nicht, die Fläche muss abgenommen und neu aufgebaut werden.
  • Setzungsrisse. Einzelne, oft diagonal verlaufende Risse, die sich über Geschosse und Bauteilgrenzen fortsetzen und typischerweise an Fensterecken beginnen. Hier klären wir zuerst, ob die Bewegung abgeschlossen ist – bei Zweifeln über einen Rissmonitor oder mit einem Statiker.
  • Risse an Bauteilübergängen. An Anschlüssen zwischen unterschiedlichen Materialien, etwa Beton an Mauerwerk, sind Risse konstruktiv bedingt. Sie gehören nicht verschlossen, sondern als Bewegungsfuge ausgebildet.

Was wir ausführen

  • Zustandsaufnahme, mit Abklopfen der Flächen, Haftzugprüfung wo nötig und Bewertung der Risse.
  • Reinigung, je nach Untergrund mit Niederdruck, Heißwasser oder Rotationsdüse, dazu Behandlung gegen Algen und Moos.
  • Rissinstandsetzung, von der Armierung bis zur elastischen Verfugung.
  • Putzarbeiten, Ausbesserung schadhafter Bereiche oder vollflächige Erneuerung mit Mineral-, Silikonharz- oder Kalkputz.
  • Fassadenanstrich, mit Silikat-, Silikonharz- oder Reinacrylatfarbe, abgestimmt auf Untergrund und Belastung.
  • Sockelsanierung, der am stärksten belastete Bereich – hier arbeiten wir mit der Abdichtungstechnik zusammen.
  • Betoninstandsetzung, an Balkonplatten, Stürzen und Brüstungen mit freiliegender Bewehrung.
  • Wärmedämmverbundsystem, wenn die Sanierung mit einer energetischen Verbesserung verbunden werden soll.

Zur Frage Dämmung

Wenn die Fassade ohnehin eingerüstet wird, ist es der wirtschaftlich günstigste Moment für eine Dämmung, weil Gerüst und Einrichtung nur einmal anfallen. Zwei Dinge sind dabei ehrlich zu benennen.

Erstens greift bei einer Putzerneuerung von mehr als zehn Prozent der Fläche in der Regel eine gesetzliche Anforderung an den Wärmeschutz – das ist keine Empfehlung, sondern eine Vorgabe, von der es Ausnahmen gibt. Das prüfen wir vorab, damit die Maßnahme nicht nachträglich beanstandet wird.

Zweitens ist eine Dämmung bauphysikalisch ein Eingriff. Wird die Außenwand wärmer, verschieben sich die Taupunktverhältnisse, und Wärmebrücken an Fensteranschlüssen oder Rollladenkästen fallen stärker auf als vorher. Genau dort entsteht dann Kondensat und in der Folge Befall. Wir kennen diese Fälle aus der Schimmelsanierung und planen die Anschlussdetails deshalb mit, statt nur Platten zu kleben.

Denkmalschutz und Bestandsfassaden

Im Stuttgarter Bestand stehen viele Gebäude aus der Gründerzeit und den 1950er-Jahren mit Gliederungen, Gesimsen und Stuckelementen. Hier ist ein modernes Silikonharzsystem oft die falsche Wahl: Der Untergrund ist kalkgebunden und braucht ein diffusionsoffenes, kalkbasiertes System, um nicht zu schädigen. Bei denkmalgeschützten Objekten stimmen wir Material und Farbton mit der Denkmalbehörde ab, bevor gearbeitet wird.

Ablauf und Rahmenbedingungen

Fassadenarbeiten hängen vom Wetter ab. Putz und Anstrich brauchen Temperaturen dauerhaft über etwa fünf Grad und dürfen weder bei Regen noch in praller Mittagssonne aufgetragen werden, weil sie sonst zu schnell abtrocknen und reißen. Deshalb liegt die Saison zwischen Frühjahr und Herbst, und wir arbeiten mit Gerüstnetzen als Wetter- und Sonnenschutz. Ein Einfamilienhaus mit Reinigung, Rissinstandsetzung und Anstrich dauert üblicherweise zwei bis vier Wochen inklusive Gerüststandzeit.

Kosten

Orientierungswerte

Je Quadratmeter Fassadenfläche, inklusive Gerüst. Erfahrungswerte im Raum Stuttgart.

Richtwerte je m² Fassade
Reinigung und Anstrich, Untergrund intakt35 – 70 €
Rissinstandsetzung mit Armierungsgewebezzgl. 25 – 55 €
Putz ausbessern, Teilflächen45 – 90 €
Putz vollständig erneuern90 – 160 €
Wärmedämmverbundsystem inkl. Oberputz160 – 280 €
Betoninstandsetzung, je nach Schadennach Aufwand

Das Gerüst macht bei kleinen Flächen einen erheblichen Anteil aus. Deshalb ist eine Giebelwand allein teurer je Quadratmeter als eine komplette Fassade – und deshalb lohnt es sich, alle Arbeiten in eine Gerüststandzeit zu legen.

Häufige Fragen

Zur Fassadensanierung

Das hängt am Putz, nicht an der Farbe. Wenn der Putz fest sitzt, keine Hohlstellen hat und nur die Beschichtung verwittert ist, reicht Reinigen und Streichen. Klingen Flächen beim Abklopfen hohl oder gibt es durchgehende Risse, wäre ein Anstrich Geldverschwendung, weil er die Ursache nicht behebt und in wenigen Jahren dieselbe Baustelle entsteht. Wir prüfen das bei der Aufnahme und sagen es Ihnen offen.

Bei größeren Eingriffen in den Putz greifen gesetzliche Anforderungen an den Wärmeschutz, von denen es Ausnahmen gibt, etwa bei Unwirtschaftlichkeit, bei Denkmalschutz oder wenn nur ausgebessert wird. Die Grenze verläuft ungefähr dort, wo mehr als zehn Prozent der Fläche erneuert werden. Wir klären das vor der Ausführung ab, damit die Maßnahme nicht nachträglich beanstandet wird. Bei Detailfragen empfehlen wir einen Energieberater – für die Fördermittel brauchen Sie den ohnehin.

Ein guter Anstrich auf tragfähigem Untergrund hält je nach Ausrichtung und Beanspruchung etwa zwölf bis zwanzig Jahre. Nordseiten und stark bewitterte Wetterseiten verwittern schneller, ebenso Flächen mit Bewuchs oder ohne Dachüberstand. Ein neu aufgebauter Putz hält deutlich länger, hier reden wir über Jahrzehnte, sofern der Sockel dicht ist und die Anschlüsse in Ordnung sind.

Das Gerüst organisieren wir und weisen es im Angebot getrennt aus, mit Standzeit. Muss es auf das Nachbargrundstück gestellt werden, brauchen Sie dessen Zustimmung – das ist ein Nachbarrechtsthema und sollte früh geklärt werden, weil es Zeitpläne kippen kann. Bei Gerüst über einem öffentlichen Gehweg beantragen wir die Genehmigung und richten den Fußgängerschutz ein.

Nächster Schritt

Erst prüfen,
dann streichen.

Wir bewerten den Putz und die Risse und sagen Ihnen, welcher Aufbau hält.

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