Der entscheidende Punkt
Warum die ersten Tage über die Kosten entscheiden
Der sichtbare Fleck ist nur der Hinweis. Worum später gestritten wird, liegt
unter dem Belag. Ein üblicher Fußboden besteht aus Rohdecke, Dämmschicht und
Estrich. Gelangt Wasser über die Randfuge oder einen Riss in die Dämmung,
bleibt es dort: Der Estrich darüber lässt Wasser durch, Feuchte aber kaum
zurück.
Etwa zwei bis drei Wochen lang ist die Dämmung schlicht nass. In diesem
Zustand lässt sie sich über wenige Bohrungen absaugen oder durchblasen, der
Bodenaufbau bleibt liegen, und die Rechnung bleibt überschaubar. Danach
beginnt der mikrobielle Befall – und der lässt sich nicht wegtrocknen. Ab
dort heißt die Lösung: Estrich auf, Dämmung entsorgen, neu aufbauen, erneut
trocknen, Belag neu. Der Aufwand vervielfacht sich.
Nach Starkregen und Rückstau ist dieser Punkt sofort erreicht, weil Abwasser
im Spiel war. Genau deshalb lohnt es nicht, nach einem Unwetter erst einmal
abzuwarten, ob der Keller von allein wieder trocken wird. Er wird es nicht.
Im Bottwartal kommt ein zweiter Punkt dazu, und er hängt am Baujahr. Die
Ortskerne von Großbottwar, Beilstein und Marbach bestehen aus Fachwerk mit
Lehmausfachung, dazu Bruchsteinmauerwerk und die tiefen Gewölbekeller, die
der Weinbau hinterlassen hat. Solche Bauteile vertragen keine forcierte
Trocknung: Wer zu heiß und zu schnell fährt, treibt Risse in den Lehm und
sprengt Putz vom Mauerwerk. Dort wird langsam und mit niedriger Temperatur
gearbeitet, dafür über mehrere Wochen.
In den Neubaugebieten und den Siedlungen der Nachkriegsjahre am Talrand
liegt dagegen der übliche Estrich auf Dämmschicht, der sich mit Unterdruck
oder Überdruck zügig trockenlegen lässt. Zwei Gebäudetypen, zwei Verfahren,
zwei Zeitpläne. Das ist der Grund, warum wir messen, bevor wir öffnen.