Warum Suchen teurer ist als Orten
Die klassische Variante sieht so aus: Der Fleck ist an der Wand, also wird die
Wand geöffnet. Ist dort nichts, wird weiter geöffnet. Nach drei Löchern findet
man die Stelle – oder auch nicht. Jeder Aufbruch kostet Arbeitszeit,
Entsorgung, Putz, Anstrich und am Ende Nerven. Und wenn der Versicherer später
fragt, wieso vier Bauteile geöffnet wurden, gibt es Diskussionen.
Ortung dreht die Reihenfolge um. Zuerst messen, dann öffnen. Wir arbeiten mit
mehreren Verfahren parallel, weil kein einzelnes für alle Fälle passt: Warmwasser
verrät sich thermisch, Kaltwasser nicht. Druckleitungen kann man akustisch hören,
Abwasser nicht. Erst die Kombination führt zuverlässig zur Stelle.
Die Verfahren, die wir einsetzen
Thermografie
Eine Wärmebildkamera zeigt Temperaturunterschiede an der Oberfläche. Warmwasser-
und Heizungsleitungen zeichnen sich dadurch ab, ebenso feuchte Bereiche, die durch
Verdunstung kühler sind als ihre Umgebung. Das Verfahren ist schnell und liefert
Bilder, die man einer Versicherung zeigen kann. Grenzen hat es bei dicken Aufbauten
und bei Kaltwasser ohne Temperaturdifferenz.
Tracergas
Wir füllen die entleerte Leitung mit einem Prüfgas, meist einem Wasserstoff-Stickstoff-
Gemisch. Das Gas ist leichter als Luft, tritt an der Undichtigkeit aus und steigt durch
den Bauteilaufbau nach oben, wo ein empfindlicher Sensor es aufnimmt. Damit findet man
auch feinste Undichtigkeiten, die kein Wasser mehr sichtbar austreten lassen. Das ist
das Verfahren mit der höchsten Trefferquote bei schwierigen Fällen.
Korrelation und Akustik
Wasser, das unter Druck aus einer Leitung austritt, erzeugt ein Geräusch. Mit
Bodenmikrofonen und Körperschallaufnehmern hören wir dieses Geräusch ab, mit einem
Korrelator lässt sich die Stelle zwischen zwei Messpunkten rechnerisch bestimmen.
Gut geeignet für Druckleitungen unter Estrich und in Wänden, weniger bei drucklosen
Abwasserleitungen.
Feuchtemessung und Endoskopie
Mit Widerstands- und Mikrowellenmessung kartieren wir, wie weit sich die Feuchte
ausgebreitet hat. Das braucht man später für die Trocknungsplanung. Wenn ein Blick
in den Hohlraum nötig ist, führen wir eine Endoskopkamera durch eine Bohrung von
wenigen Millimetern ein – deutlich schonender, als eine Fläche zu öffnen.
Rohrkamera
Bei Abwasser- und Fallleitungen fahren wir mit einer Kamera hinein und sehen den
Zustand von innen: Risse, Muffenversatz, Wurzeleinwuchs, Ablagerungen. Mehr dazu
unter Kamerabefahrung.
Was Sie am Ende in der Hand haben
- Die Stelle, möglichst genau lokalisiert und markiert.
- Ein Messprotokoll mit den eingesetzten Verfahren und den Ergebnissen.
- Fotos und Wärmebilder mit Zeitstempel, verwendbar für die Schadenmeldung.
- Eine Feuchtekartierung, aus der hervorgeht, welche Bauteile betroffen sind.
- Einen Vorschlag, wie es weitergeht: Reparatur, Trocknung, Rückbau.
Diese Unterlagen sind kein Selbstzweck. Sie sind die Grundlage dafür, dass der
Versicherer die Folgekosten übernimmt. Wer ohne Dokumentation saniert, muss später
begründen, warum welche Maßnahme nötig war – und ist dabei in der schwächeren Position.